Reckermann/Andara: Lieber Herr Mordio

Soeben habe ich den letzten Satz gelesen, und jetzt will ich etwas darüber schreiben. Unbedingt.
Mein Problem ist, dass ich mich ein wenig unzulänglich fühle. Dieser Briefwechsel zweier starker Stimmen klappt eine Bühne auf, deren Vordergrund für mich klar erkennbar ist, aber je weiter ich mich dem Rundhorizont nähere, umso weniger sicher bin ich mir, ob ich wirklich verstehe, wo ich mich befinde.
Ist das eine von zwei Schriftstellern als Ort für einen phantastischen Briefwechsel erfundene Welt? Unsere eigene, in andere Sphären transponierte Realität? Vielleicht Mythen, die ich nicht kenne? Oder vielleicht kenne ich sie doch, aber die eingenommene Perspektive ist für mich nicht nachvollziehbar, weil ich nicht genug darüber weiß?
Es ist mir also leider nicht möglich, souverän in die Tasten zu hauen, dass die sich hinter den Briefen entfaltende Geschichte im Spannungsfeld zwischen prophetischem Traum und erstarrter Welt angesiedelt ist, wobei sie um das desperat die Wahrheit suchende Individuum kreist.
Möglich wäre das.
Oder auch nicht.
Wenn ich also trotzdem etwas darüber schreiben möchte, lande ich wie meistens bei meinem persönlichen Verhältnis zur Literatur, und die Liste der Umstände, die mich davon abhalten, etwas zu lesen, ist – wie ich gerade beim Nachdenken darüber feststelle – ziemlich lang, daher hebe ich mir die »Cons« für ein anderes Mal auf und halte mich an die, auch stark verkürzten, »Pros«: Ich lese, damit mich eine Geschichte an Orte führen kann, an denen ich noch nicht war. Auf dass sie in mir Welten aufklappt, die ich nicht so häufig besuche, oder die mir vielleicht bis dato völlig unbekannt waren.
Nun denn.
»Lieber Herr Mordio« lenkt meine Gedanken in weite Räume. Es bleiben unvergessliche Bilder zurück und das Gefühl, über einen Schatz gestolpert zu sein, denn dieser Briefwechsel ist über die Maßen vielschichtig und reicht vom ganz persönlichen Empfinden bis zur Entwicklung der Menschheit, gesehen durch ein Vexierbild der Realität mit unerwarteten Dimensionen.
Stilsicherheit und Präzision der Sätze machen das Lesen zum Genuss; ich habe mich von Herzen gern auf eine weite Reise entführen lassen, und kam überaus angeregt zurück.
Das Allerbeste, was ich über ein Buch sagen kann, ist dass es mich zum Schreiben inspiriert.
Herzlichen Dank an Reckermann/Andara und NightTrain 🙂

Leseprobe und Info zum Buch bei NightTrain gibt es hier
http://nighttrain.whitetrain.de/2020/08/31/908/

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