Meine lieben Freunde dort draußen …

Ich habe die Schule nie besonders ernst genommen und im Zeugnis der 5. Klasse stand: »Christine ist sehr oft abgelenkt«.
Vielleicht lag es daran, dass ich es so gerade eben noch schaffte, sechs zu werden, bevor ich plötzlich den Ernst des Lebens begreifen sollte. Vielleicht an einer grundlegenden Neigung, die Welt als einen Ort zum Spielen zu betrachten.
Was auch immer der Grund war: Fünfundvierzig Jahre später hat meine Tendenz zum Multitasking ihre Grenzen erreicht.

Wenn ich essen will, muss ich arbeiten; wenn ich arbeite, habe ich weniger Kraft, Zeit und Muße für die Kunst – und zu der Frage, ob ich die Kunst zur Arbeit machen sollte, fallen mir innerhalb von Sekunden ein Dutzend Gegenargumente ein. Das wird ohne Zweifel noch eine ganze Weile so bleiben. So ungern ich mir das eingestehen möchte, und nach so vielen Jahren sollte ich eigentlich daran gewöhnt sein. Aber im Unterschied zu früher kostet es mich mehr Kraft, und das Leben erscheint inzwischen auch viel kürzer.

Ambitionierte Projekte, für deren Gesamtvollendung ich etwa 150 Jahre brauchen werde, ringen mit der Sehnsucht nach dem kindlichen Gefühl von zeitloser Ewigkeit um den begrenzten Platz nach Feierabend. Wenn ich das, was ich aus verschiedenen Gründen brauche, auch erreichen will – Geld, Mußestunden, Zeit zum Schreiben und Zeit für das privat Notwendige – wird mir nichts anderes übrigbleiben, als mich zu fokussieren.

In den letzten Monaten ist mir klargeworden, dass »auf Facebook sein« kein Müßiggang ist (das war es nie, aber bis vor kurzem hatte ich mehr Freizeit). Es ist einfach sehr oft nicht locker-flockig entspannend, wenn man sich das, was da so alles geschrieben steht, auch wirklich antut und nicht nur vorbeiscrollt.
Damit meine ich nicht in erster Linie die zu Stereotypen gewordenen Ressentiments »besorgter Bürger«.
Wer Facebook kennt, dem muss ich das nicht erklären.
Es ist einfach von allem zu viel.

Nicht wenige von euch sind mir über das Menschheitsexperiment »Soziale Medien« ans Herz gewachsen, ich schätze eure Meinung, eure Unternehmungen, eure Projekte und fühle mich verpflichtet, das auch sichtbar anzuerkennen.
Ein Dasein als möglichst breit gestreute Facebook-Listenleiche war für mich nie erstrebenswert.
Es geht mir um Austausch, um Engagement, um konstruktive Diskussionen und Gespräche – und, na klar, oft auch einfach um Spaß – aber so, wie es aussieht, muss ich mich entscheiden, ob ich aus eigenem Impuls gewählte Bücher lesen will oder all diese interessanten Artikel und Posts. Ob ich mich um mein eigenes Leben kümmere, oder um das der anderen. Ob ich meine eigene Fantasyserie schreiben will, oder es dabei belasse, mich über die Erfolge der Kollegen zu freuen.

Wie eingangs erwähnt, habe ich ein Faible dafür, mich zu verzetteln. Um daran etwas zu ändern, werde ich nicht umhin kommen, mich ein bisschen tot zu stellen.

Wenn ich also in der Zukunft durch die Abwesenheit von »Likes« und Kommentaren – vor allem auf Seiten und für Werbung jeglicher Art – glänzen sollte, dann ist dafür der einzige Grund, dass ich die Millionen Möglichkeiten zur Ablenkung einschränken muss, wenn das mit meinem eigenen Leben noch was werden soll.

Sorry for that.

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