der cleaning wummens tale

Vielleicht ist es der zumindest in der Hoffnung schon ahnbare Frühling, vielleicht auch einfach die Tatsache, dass es mir reicht mit den ernsthaften Ambitionen. Ich werde bis auf Weiteres keine Zeit dafür haben, mein Autorenimage bauchzukraulen. Macht aber überhaupt nichts.

Warum nicht einfach Tacheles reden? Das ist viel einfacher, als sich überlegen zu müssen, ob die Sätze, an denen man herumfeilt, jetzt besser zu SF oder zu Fantasy passen sollten, oder sich damit herumzuplagen, dass einem partout kein sinnvoller Content für wie auch immer geartete Zielgruppen einfallen will.

Tatsache ist: Ich verdiene mein Geld damit, das Leben in den letzten Tagen oder am Rand der Gesellschaft sauber zu halten. Obwohl mich Putzen an sich nicht die Bohne interessiert. Trotzdem bin ich darin ziemlich gut. Es hat was Meditatives, völlig zugekleisterte Waschbecken zum Glänzen zu bringen oder Kloschüsseln so blitzen zu lassen, dass man auch daraus trinken würde. Viele Leute macht es glücklich, weil es früher Muttern gemacht hat, oder weil es Mutters Lebenssinn war, die Hütte zu wienern. Anderen ist es schnurz, sie ratzen auf dem Sofa weg, während man um sie herumsaugt, aber würde man es nicht tun, täte es niemand, und es ginge den Leuten noch schlechter als es das sowieso schon tut.

Der Job ist ok, erschöpft sich nicht im Auswringen von Lappen und wird gut bezahlt. Allerdings ist er auch ziemlich anstrengend (vor 25 Jahren hätte ich darüber gelacht, aber das war vor 25 Jahren). Ich setze mich also nicht nach Feierabend voller Elan an den PC und hämmere mein neuestes Epos in die Tasten. Es geht verteufelt langsam voran. Aber es geht. Voran.

Zwischendurch habe ich Lust, über völlig Anderes zu schreiben. Gelegentlich ist mir danach, Stellung zu beziehen, zu schimpfen oder nostalgisch zu werden. Das passt alles nicht zu dem Bild der straighten Autorin, die nach Kräften Neues auf den Markt zu werfen plant. Auch wenn ich das natürlich insgeheim trotzdem vorhabe. Aber ich bin nun mal keine Genre-Schriftstellerin. Weltall ist schön, aber in meinen SF-Storys kommt nur der Mond vor, und das auch nur von unten. Sollten meine Helden jemals die Weiten des Alls erforschen wollen, täten sie das vermutlich in einem Universum der Versatzstücke, alles andere wäre mir viel zu viel Recherche über Dinge, die mich noch nie interessiert haben.
Meine Fantasy ist auch nicht »richtig«. Es kommen noch nicht einmal Pferde vor, wie ich unlängst feststellen musste.
Das ist alles ziemlich unordentlich.

Das Einzige, wo bei mir Ordnung herrscht, ist bei dem Versuch, mich klar auszudrücken, gute Sätze zu schreiben und Geschichten zu erzählen, die ich auch selbst lesen würde.

»der cleaning wummens tale« eben. Für jeden was dabei.

4 Gedanken zu „der cleaning wummens tale

  1. Der Ton gefällt mir sehr. Es braucht noch viel mehr Menschen, die direkt von sich sprechen und vor allem so ehrlich wie Du es hier gezeigt hast. Wir müssen „Tacheles“ reden – genau. Die Zeit, in der wir in fernen Fiktionen schwebten und die reale Welt aufgegeben haben, ist hoffentlich vorbei. Lasst uns echt, kraftvoll und aufrichtig sein. Dein Text hier ist ein schöner Auftakt. Keep on caring!

  2. Dein letzter Abschnitt bringt es auf den Punkt. Das ist die richtige Haltung eines Autors/ einer Autorin!! Gute Geschichten erzählen, die man auch selbst lesen möchte. Sich nach Genres zu richten? Scheiß drauf!

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