Einfach weitermachen …

Manchmal würde ich gerne die Zeit zurückdrehen. Bis ich wieder bei dem jungen Mädchen ankomme, das krude Texte zusammenstoppelt und versucht, sich selbst und ihr Leben in Worte zu fassen. Ich würde ihr über die Schulter sehen und sagen: »Hey! Fürchte dich nicht! Denk dir einfach was aus und schreib es. Je mehr du schreibst, umso klarer wird es, was du schreiben kannst, und wovon du besser die Finger lässt.«
Anschließend würde ich in meine Zeit zurückkehren und die Früchte eines langen Schriftstellerlebens genießen.

Da es keine Zeitmaschinen gibt, sitze ich jetzt vor dem PC, und finde heraus, was ich schreiben will und was nichts für mich ist.
Wenn ich eine Pause brauche – und häufig auch dann, wenn ich mich stattdessen besser mit dem einen Satz oder dem logischen Problem befassen sollte, dass sich nicht in zwei Sekunden lösen lässt – zappe ich zu Facebook rüber und schaue, was die übrige schreibende Gemeinde beschäftigt.

Das scheinen im Wesentlichen zwei Themen zu sein.
a) Wie kann ich mit Büchern zügig Geld verdienen?
b) Wie wird man eine gute Schriftstellerin?

Unter a) geht es gewöhnlich um Rankings, erfolgreiche Genres, die Frequenz, mit der neue Bücher rausgehauen werden müssen – oder Vielschreiber werden pauschal als Kulturbanausen abgebasht.
Unter b) wird der Untergang des Abendlandes beschworen, Genres werden abgekanzelt – oder jeder, der sich nicht in erster Linie mit a) befasst, wird mitleidig als unrealistischer Träumer belächelt.

Zu Beginn meiner zweiten Lebensrunde als wild entschlossene Autorin verteidigte ich gerne sowohl die Vielschreiber als auch die Träumer. Inzwischen kommentiere ich vielleicht den Ausgangspost, wenn mir dazu etwas einfällt, und halte ansonsten die Klappe, denn …

Es gibt die seltenen Fälle, in denen jemand viel und gut schreibt und davon leben kann.
Es ist möglich, mit richtig schlechten Büchern richtig Kohle zu machen.
Es gibt Perlen, die nie jemand findet.
Es gibt Achtungserfolge.
Nicht jeder schriftstellerische Versuch sollte veröffentlicht werden.
Es ist nicht für jeden das Wichtigste, beim Schreiben hauptsächlich darüber nachzudenken, wie man sich anschließend positioniert.

Es gibt keine Zeitmaschinen und mein heutiges Leben lässt es nicht zu, dass ich mich nur mit dem Schreiben befasse. Sonst würde ich vermutlich unter Pseudonym eine romantische Serie herausbringen, täglich mein Ranking studieren und im Keller die Moneten zählen, während ich in der übrigen Zeit an dem bastele, was mir wirklich am Herzen liegt.
Ehrlichkeit währt am längsten oder so …

Da ich aber wählen muss, tue ich einfach so, als hätte ich immer noch alle Zeit der Welt. Ich schreibe das, was ich schreiben will, und bin auch gar nicht böse, wenn andere viel erfolgreicher sind. Wer um des Geldes willen schreibt, hat ja auch noch das Marketing am Hals, und ich kann es schließlich nicht anderen zum Vorwurf machen, dass ich dafür weder die Zeit noch die Begabung habe.

Und Zeitmaschinen gibt es eben nicht. Das kann ich bedauern – oder einfach ignorieren und endlich herausfinden, was es denn nun war, das ich schon immer schreiben wollte 🙂

 

 

 

 

 

 

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