Letzte Worte mit Typografenblick

In den letzten Zügen lag ich schon vor einem Monat, jetzt sind es die allerletzten Züge. Es geht um die Wurst, um einzelne Worte, manchmal nur um Silben.
Verrückt?
Ja. Irgendwie schon.

Frau Argusauge – Testleserin, Lektorin, Korrektorin und Beichtmutterin in einer Person – treibt mich täglich auf die Palme, und ich leiere mir Sätze aus den Rippen, die hoffentlich besser sind als die vorherigen. Warum irgendetwas nicht verständlich sein könnte, sehe ich natürlich beim ersten Lesen der Bemerkungen niemals ein, aber beim zweiten oder dritten Mal Nachdenken werde ich dann doch zugänglicher und ändere. Oder auch nicht. Kommt darauf an. Es ist ein Eiertanz zwischen zu viel und zu wenig des Guten.
Weder sollten die Karten komplett auf den Tisch, noch sollen sie so durcheinanderfliegen, dass niemand durchsteigt.

Wenn ein Kapitel endgültig (*harhar*) abgeschlossen ist, lasse ich es mir von Scrivener ausgeben und lade es in das Printmanuskript zur Weiterbearbeitung. Der zeitliche Abstand zwischen der Herausgabe des Ebooks und der Printversion soll nicht so groß werden. Mit dem Text bin ich inzwischen auf Seite 254, hinten hängt noch ein Glossar dran. Wie viele Seiten »Der Fall Irenaeus« haben wird, weiß ich immer noch nicht. 350 vielleicht? Möglich.

Die Ungeduld, das Printbuch endlich durchblättern zu können, steigt jedenfalls. Vielleicht ein eindeutiges Zeichen, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der man sich elektronische Bücher überhaupt nicht vorstellen konnte.
Nicht, dass ich Ebooks nicht mögen würde. Im Gegenteil. Aber das eigene Buch ins Regal zu stellen, ist einfach … cool. Jepp. Das ist es.
Und daran denke ich, während ich mich durch die zukünftigen Printseiten fräse.

Wenn der Typografenblick die Oberhand gewinnt, sind alle Wortabstände unregelmäßig, die Sätze hässlich auseinandergezogen oder gestaucht, Schusterjungen und Hurenkinder lauern überall.
Dann wird es höchste Zeit, ihn mal wieder in seine Schranken zu weisen, den Typografenblick. Ab, Marsch, in die Ecke!
Ja, es stimmt: Eine vereinsamte, dünne Zeile am Ende oder am Anfang einer Buchseite kränkt die Setzerehre, aber tatsächlich ist sie nicht gleichbedeutend mit dem Untergang des Abendlandes. Sie beweist nur, dass da kein Profisetzer am Werke war.
Was den Tatsachen entspricht.
Also, mein lieber Typografenblick: Mach mal halblang. Ich mach, so gut ich kann, im vollen Bewusstsein meiner Verantwortung, und über das Ergebnis müssen dann die Götter ihr Urteil sprechen.
Will sagen: die Leser.

Langsam ist tatsächlich ein Ende in Sicht, auch wenn der Klappentext immer noch nicht steht. Immerhin ist schon mal die Danksagung (nicht nur) an Frau Argusauge formuliert 🙂

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