Divinity: Original Sin 1

Bevor ich daran ersticke: eine kurze Review zu »Divinity: Original Sin 1«, bevor ich mir etwas anderes suche.
Ich habe das Spiel mit großen Erwartungen begonnen. Die alten Divinity Spiele fand ich toll, und Ego Draconis war erfrischend schräg und hatte richtig gute Musik.

Original Sin fängt gut an, man sammelt sich eine Gruppe zusammen, findet interessante Dinge, macht sich mit dem Handwerkssystem vertraut, die Geschichte wirkt durchdacht, die Nebenquests sind ok. Vom rundenbasierten Kampfsystem bin ich angenehm überrascht. Es ist außerordentlich unterhaltsam, und das sagt eine Spielerin, die gewöhnlich keine rundenbasierten Spiele kauft, weil sie sie nicht mag. An der Grafik ist nichts auszusetzen. Das Aufleveln geschieht gerade zäh genug, um einen bei der Stange zu halten. Man wird nicht von jetzt auf gleich zu Superman. Es gibt ein paar nette Features, wie die »Gesinnung« der beiden Hauptcharaktere, die durch Gespräche ermittelt wird und einem dann je nachdem Pluspunkte bringt, wie z.B. Immunität gegen »Verflucht« oder einen extra Punkt beim Handwerk. Fallen können außer Gefecht gesetzt werden, indem man einfach eine Tonne draufstellt …

Wer gerne eine ganze Gruppe steuert und leidenschaftlich gerne an perfekten, für alle Eventualitäten gerüsteten Charakteren tüftelt, der wird hier erst mal gut bedient.
So weit die gute Nachricht.
Aber.

Irgendwann kommt der Punkt, an dem das Inventar voller toller Dinge ist, und es wird Zeit, zu sortieren. Und wer ein ordentlicher Freak ist und ungern Dinge wegwirft, die man vielleicht noch mal braucht – so wie ich – der sitzt dann gerne auch mal drei Stunden nur daran, das Inventar in »behalten« und »verkaufen« zu sortieren, um irgendwann festzustellen, dass es unmöglich ist, da eine Übersicht reinzubringen. Mir fällt es schon schwer, nur darüber zu schreiben, ohne mich zu vertüdeln.

Die einzelnen Gegenstände sind gut voneinander zu unterscheiden. Man weiß auf Anhieb, was ein Gürtel ist, was Bogen oder Armbrust, was ein Zweihänder, ein Sarong, Stiefel, was eine Platten- oder Lederrüstung, und was Amulett und was Ring ist. Aber leider ist der einzige Unterschied für Gegenstände der gleichen Art ein farbiger Rahmen in – je nach Qualität – türkis, violett, pink oder gelb. Ob ein Ring oder ein Sarong Feuerresistenz gewährt oder das Handwerk verbessert, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, und die Namen der Gegenstände geben da auch nicht besonders viel her.

Um also den Ring wiederzufinden, der den einen Punkt mehr bei Schlossknacken, Identifizierung oder Handwerk bringt, den man jetzt gerade braucht, wird man die Maus jedes Mal über sämtliche Ringe ziehen müssen (wobei gleichzeitig auch die aktuelle Ausrüstung angezeigt wird). Das nervt.

inventar_ausruestung

Natürlich könnte man alle Ringe wegwerfen, die den gleichen Skill erhöhen. Mehr als zwei Ringe kann man ja nicht tragen. Aber die wenigsten Gegenstände haben nur eine einzige Verbesserung. Meist gewähren sie auch Resistenzen, und die können ja, wie man als RPG-Spieler weiß, gelegentlich kampfentscheidend sein. Also behält man sie, und alleine schon das Aussortieren der weniger guten Resistenzringe wird mit fortschreitendem Spiel zu einer echten Geduldsprobe.
Wenn man dann irgendwann die Geduld verliert, verkauft man auch schon mal den Gegenstand mit dem einen Handwerkspunkt, den man noch bräuchte, weil die Feuerresistenz nichts mehr hergibt, und man das »Handwerk« übersehen hat.

Meine Hoffnung, Rucksäcke und Beutel würden das Chaos beseitigen, haben sich auch nicht erfüllt. Auch wenn man dort Gegenstände nach Belieben neben-, über- und untereinander sortieren kann: Es hilft ja nichts, wenn die meisten Dinge in mindestens zwei Kategorien gehören, die gleich wichtig sind. Und das Verpacken in Beuteln nach »Thema« kann man auch vergessen, denn »Beutel« ist nun mal einfach »Beutel«, und man muss sie sowieso alle öffnen, um seinen Kram wiederzufinden.

Wenn man dann also in einer Umgebung erst eine hohe Wahrnehmung braucht, um den gefahrlosen Weg zu finden, anschließend einen hohen Telekinesiswert, um ein paar Kisten näher heranzurücken, dann »Lehrmeister«, um Gegenstände zu identifizieren, und anschließend wieder die normale »Für alle Fälle«-Ausrüstung, ist das ein einziges nervtötendes Rumgesuche im Inventar. Von Handwerk, Schmieden, Resistenzen und Basiswerten gar nicht erst zu reden …

Bei Potions wird es noch unübersichtlicher. Resistenztränke unterscheiden sich zwar deutlich in der Farbe voneinander, aber um zu wissen, welcher schwach und welcher stark ist, muss man ebenso erst mal mit der Maus drüber.

Langen Palavers kurzer Sinn: nach 129 Stunden Spiel bin ich komplett abgenervt und nehme schweren Herzens Abschied.
Mir reicht’s.

Fazit: Das hätte ein wunderbares Spiel werden können, wenn man nicht nur mit tausenden von Gegenständen zugeschmissen würde, sondern auch eine Möglichkeit hätte, sie übersichtlich zu verwalten.
Sehr, sehr schade.

Das Spiel gibt es hier bei GOG.

6 Gedanken zu „Divinity: Original Sin 1

  1. Witzig, denn mir ging’s genauso: nach über 120 Stunden Spielzeit legte ich’s genervt zur Seite. Echt traurig. Ich hab sogar als User einer Gameseite eine Gast-Rezension geschrieben, um (ähnlich wie Du hier) den Frust loszuwerden: https://zockah.de/38682/
    Wirklich schade drum. Liebe Grüße!

    • Ja, ja, ja, ja 🙂 Deine Auseinandersetzung ist natürlich viel detaillierter, und ich kann dir in so ziemlich allem Recht geben. Dass man mit der Story nicht gerade das Rad neu erfunden hat, damit kann ich leben (ich mag auch immer mal wieder „Sacred“, und da kann man nun wirklich nicht von einer „Story“ reden), aber die total fehlende Identifizierung mit den Helden hat mich irgendwann auch deprimiert (und die hochhackigen Schuhe der Mädels … *augenroll*).
      Plus ein sagenhaft nervender Glitch im Inventar, der ständig verhindert, dass man einfach den nächsten Charakter links anklickt, und das Inventar dann entsprechend wechselt. Tut es nicht. Man muss den derzeit aktivierten Charakter noch mal anklicken, erst dann … Plus – ja – die Sucherei nach des Rätsels Lösung, die meist nur darin besteht, sich nach irgendeinem „Ding“ zu Tode zu suchen (wenn ein Charakter schon sagt „I spotted something“ …). Ich habe wirklich noch nie so dermaßen am Walkthrough geklebt, wie bei diesem Spiel. Irgendwie fühlt man sich vera…scht.
      Davon, dass man beim Händler seine Beutel nur komplett einschließlich Inhalt verkaufen kann, gar nicht erst zu reden. Mannomann. Das war schon bei Baldurs Gate ausgereifter …
      Während ich im Garten gearbeitet habe, hab ich mir die Enhanced Edition von Planescape installieren lassen 🙂 Hatte ich schon mal angefangen, aber dann gab´s da einen Bug mit einem Laden, den man plötzlich zwar noch betreten aber nur auf den Desktop wieder verlassen konnte … Ich bin gespannt, was sie daraus gemacht haben 🙂
      LG zurück!

  2. Stimmt, die EE von Planescape steht auch noch auf meiner Liste, genauso wie „Outcast“, das ich vor Ewigkeiten gerne spielte und jetzt mal wieder zocken will. Vorher kommt aber noch der dritte Witcher dran – aber wohl erst im nächsten Winter. Sommers habe ich nie sorecht Lust auf Gaming 🙂

    • Bin gespannt, was du von Witcher 3 hältst. Ich fand schon 1 und 2 klasse, aber der 3. Teil toppt so ziemlich alles, was es da für 3. Person RPGs so gibt. Ich habe es letztes Jahr einmal ganz durchgespielt und anschließend auf höherer Stufe noch mal angefangen, aber nach einem Dreivierteljahr brauchte ich dann doch mal eine Pause. Aber mir fehlt noch die Erweiterung „Blood and Wine“, also werde ich wohl irgendwann noch einmal wieder von vorne anfangen 🙂

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