Es ist bald so weit …

Manchmal muss man einfach eine schnittige Bemerkung hinterlassen, auch wenn man sich hinterher ein bisschen schämt, weil man sich so weit aus dem Fenster gelehnt hat. Aber es gibt Kandidaten, die laden einfach dazu ein. Ich meine natürlich diese ewigen Besserwisser, die x Ratgeber gelesen haben, dir alles über die Theorie des Schreibens herunterbeten können, und dabei so ins Schwafeln geraten, dass man Lust bekommt, ihnen den virtuellen oder realen Bücherschrank überzuziehen, damit sie mal auf einen vernünftigen Gedanken kommen.

Da wird in »Akte« eingeteilt, aus dem ultimativen Ratgeber für Charakterentwicklung rezitiert, das Wesen des Spannungsbogens zerpflückt und die optimale Vertriebsstrategie ausgebrütet, bevor auch nur eine einzige zusammenhängende Geschichte erzählt ist.
Der Einwand, dass man vielleicht erst einmal überhaupt Schreiben sollte, bevor man sich in theoretischen Spitzfindigkeiten verliert – zum Beispiel, um herauszufinden, ob man dafür Ausdauer und Begabung hat – wird mit weiteren ellenlangen Ausführungen niedergerungen.

Als wäre »Schreiben« etwas, das man aus dem Nichts heraus beherrscht, nur weil man die Anleitung gelesen hat.

Diese Theoretiker kennen die richtigen Worte, und solange sie sich an den Ratgebern entlangbeten, hört sich das auch irgendwie fundiert an, aber sobald die Worte in anderem Zusammenhang nicht genau das gleiche bezeichnen, wie in der Denkvorlage, ist Feierabend.
Wenn man da liest, dass die Einführung eines Protagonisten eben keine »Spannung« hätte, sondern dazu dient, die Figur kennenzulernen und sie an den Punkt zu bringen, dass sie gerne noch ein Kapitel weiter machen will, dann fällt mir dazu nur ein: Ein Protagonist, über den man nichts »Spannendes« zu erzählen hat, ist auch kein zweites Kapitel wert.

Was aber genau dieses »Spannende« sein könnte, das ist die eigentlich interessante Frage, nicht die Einteilung in Akte oder in Action und Atempausen.

Was bringt einen dazu, die Geschichte von Stoner (John Williams, 1965) zu verschlingen, obwohl da weder gerannt noch gemordet wird, und der Protagonist ein ganz normaler Typ ist? Noch dazu einer, den man nur dann zweimal anguckt, wenn man muss?
Darüber würde ich gerne diskutieren, statt über die Frage, welche schlechten Eigenschaften ein Protagonist haben muss, damit man auf der Bestsellerliste landet.

Leider ist das mit solchen Dialogen ja immer so eine Sache in den sozialen Medien. Irgendwann hat man genug getippt, und wenn man den Eindruck hat, das Gesagte gleitet sowieso wie Wasser an der Lotushaut des virtuellen Gegenübers ab, dann lässt man es irgendwann und geht Kaffee trinken.

Bleibt mir nur zu hoffen, dass ich meinen eigenen Erwartungen entspreche, wenn ich schon die Klappe so weit aufreiße.
Der letzte Korrekturdurchgang läuft, das Cover steht. Seit Anfang des Jahres sind ungefähr 15.000 Worte rausgeflogen, in der Annahme, dass die Geschichte spannender wird, wenn ich weniger auf Nebengleise abbiege bzw. mit überflüssigen Informationen nerve.

Ob es gelungen ist, wird dann die Reaktion der Leser zeigen.
Falls es welche gibt 🙂

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