Warum nicht. Wenn es hilft?

Der PC: an *check*

Um es gleich zu sagen: Ich bin skeptisch, was den Sinn des NaNoWriMo angeht.

Klar. 50.000 Worte geschrieben oder nicht geschrieben zu haben, macht einen Unterschied. Und wenn ich gerade eine brandneue Idee hätte, die auszubauen ich Lust habe, würde mir sozusagen ein Roman in den Schoß fallen, indem ich mich für vier Wochen von allen Bedenken befreie und einfach drauflosdichte.

Bedauerlicherweise habe ich keine neue Idee.

Ich habe das 1. Drittel eines Romans, den ich gerade zum 2. Mal in wesentlichen Punkten umgebaut habe, und es warten inzwischen 68 anskizzierte Szenen darauf, erzählt zu werden.
Ob das noch für 50.000 Worte reicht? Keine Ahnung.

Es ist Zeit, die Geschichte weiterzuerzählen, und dafür wollte ich den November sowieso nutzen. Warum also nicht beim NaNoWriMo anmelden?

Außerdem verspreche ich mir tatsächlich etwas davon.

So einerseits wenig mir der Gedanke gefällt, einen literarischen Text auf die Anzahl seiner Worte zu reduzieren, so andererseits erleichternd kann das sein.

In meiner ersten Geschichte, Kältezeit, passt die Biografie meiner drei Protagonisten je in eine Twittermeldung. Bei Damaskus 12 füllt die Vorgeschichte von Vater und Sohn immerhin schon eineinhalb Seiten. Der Protagonist aus »Der Fall Irenaeus«, mein derzeitiges Projekt, hat eine Biografie, die sich über mehr als 500 Jahre erstreckt, und aus wenigen Eckpunkten und Stellvertreter-Ideen wurde eine komplexe Romanwelt, in der mein Protagonist seiner Nemesis begegnet.

Und nach Einführung des Protagonisten und der Welt geht es jetzt so langsam ans Eingemachte.

Wie kann ich die Geschichte weiterhin glaubwürdig erzählen, ohne in plakatives Zaunlattenwinken und Esoterik-Kitsch abzugleiten?
Werde ich mutig genug sein, den richtigen Ton zu treffen?
Oder sitze ich am Ende vor einem Haufen Schrott, den ich anschließend mühselig Satz für Satz in das verwandeln muss, was ich mir eigentlich vorgestellt hatte?

An diesem Punkt angekommen, ist es tatsächlich angenehm, sich die Geschichte als eine Anzahl von Worten vorzustellen, die einfach nur getippt werden müssen.
In der Hoffnung, dass auf dem Wege das Eis bricht, und der Kahn Fahrt aufnimmt.
Egal, ob es nun bis zum 30. November 50.000 Worte werden, oder nicht.

4 Gedanken zu „Warum nicht. Wenn es hilft?

  1. Mir geht es ähnlich. Ich schreibe gerade an zwei Texten, bei denen ich nicht richtig weiterkomme. Möglicherweise liegt es daran, dass ich in letzter Zeit entweder zu wenig Zeit zum Schreiben hatte, oder dass das einfach eine bequeme Ausrede war. Auf jeden Fall ist der NaNo ein Ansporn, überhaupt etwas zu schreiben. Die Qualität kommt sowieso erst bei der Überarbeitung, von daher kann es helfen, den inneren Kritiker für eine Weile zur Seite zu schieben. 😉

    • Genau dieses. Ich arbeite schon seit über einem Jahr an der Story. Und ich möchte endlich wissen, ob sie funktioniert, bzw. ob ich überhaupt in der Lage bin, sie so zu schreiben, wie ich mir das vorstelle. Und dafür muss sie jetzt geschrieben werden. Punkt. 🙂

  2. Über den Sinn des NaNo kann man sich wahrlich streiten. Im letzten Jahr kam es mir auch noch recht befremdlich vor, wie du selbst sagst, eine Geschichte auf seine Worte zu reduzieren. In diesem Jahr fühle ich mic dagegen wirklich ein bisschen befreit. Nach Monaten strenger Überarbeitung tut es einfach gut, nicht so viel nachzudenken. Daher ja, warum eigentlich nicht? Der NaNo soll ja vor allem Spaß machen.

    • So geht es mir auch. Lange Vorarbeit, den Anfang zweimal umgearbeitet, Prolog geschrieben, viele Szenen skizziert – und dann ist das plötzlich ein riesiger Berg von Ideen und Details, gegen den man anschreiben muss.
      Werde ich alles mit hineinschreiben, was ich mir vorgenommen habe?
      Kriege ich das überhaupt hin?
      Undsoweiterundsofort … 🙂
      Stattdessen einfach zu tippen – weil man ja schließlich irgendwo anfangen muss – ist nicht unangenehm.

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s