Deus Ex: Human Revolution

Tatsächlich kann ich mich erinnern, das 1. Spiel der Reihe – Deus Ex – im Jahre 2000 im Regal gesehen zu haben, damals, als man sich noch auf den eigenen zwei Beinen in einen entsprechenden Laden aufmachen musste, um »Videospiele« in überdimensionierten Pappschachteln zu kaufen. Warum um alles in der Welt ich es mir damals nicht geholt habe, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht war es mir zu teuer.
Tatsächlich gespielt habe ich es erst, nachdem sich GOG des Spiels angenommen hatte, um es für die Neuzeit fit zu machen, will sagen, es funktionierte – nach einigen Anfangsschwierigkeiten bezüglich der Grafikeinstellungen – einwandfrei auf Win7.
Und damit hatte mich eine weitere Reihe am Wickel …

In diesem Jahr (2016) ist Mankind Divided herausgekommen, und passenderweise, da ich die angesagten Spiele immer noch erst Jahre später auf dem Rechner habe, bin ich gerade mit dem Vorgänger Deus Ex: Human Revolution (2007) fertig geworden.
Während Invisible War die PC-Spieler mit für die Zeit des Zusammenwachsens von Konsolen- und PC-Spielen typischen, eingeschränkten Levels und Spielmöglichkeiten verärgerte, ist Human Revolution eine gelungene Rückkehr zu den Wurzeln.

Allerdings ist die Umgebung etwas weniger spartanisch als im Original, die NPCs bewegen sich deutlich mehr und Zigaretten kann man nur noch angucken, aber nicht mehr rauchen. Generell ist hier alles in erster Linie funktional, Panoramablicke und aufregende Landschaften sucht man vergeblich. Das zentrale Thema der Reihe ist die Optimierung des Menschen durch elektronische Augmentierungen, und entsprechend städtisch und industriell ist die optische Gestaltung.Straßenszene Detroit

Das spielerische Konzept läuft, wie bei allen Spielen der Reihe, drauf hinaus, selbst zu entscheiden, ob man seine Gegner über den Haufen schießt, sie hinterrücks absticht, betäubt oder sie einfach unbemerkt umschleicht, und daher finden sich überall in der Spielumgebung mehr oder weniger versteckte Eingänge ins Ventilationssystem, deren Anwesenheit an dieser oder jener Stelle nicht unbedingt logisch ist, die aber im Hinblick auf das Spielkonzept unverzichtbar sind: will man schleichen, muss man sich irgendwo vor Wachen, Kameras, Geschütztürmen und Robotern verbergen können.
SpielumgebungWenn man das Grundkonzept akzeptiert, werden diese immer gleichen Luftschächte zu einer Art Portal auf die Rückseite des Spiels. Sie bringen einen zu versteckten Leitern und in sonst unzugängliche Räume, helfen beim Umschleichen der Feinde und bieten Schutz bei Gefechten. Und sie sind ein hervorragendes Versteck für erledigte Gegner, um keinen Alarm durch Kameras oder durch andere Wachen auszulösen.

Entsprechend der verschiedenen Möglichkeiten, ein Problem aus der Welt zu schaffen, hat man die Wahl zwischen mehr Ausrüstung, als ins Inventar passt. Man wird sich also irgendwann entscheiden müssen, ob man lieber alles mit Raketenwerfer, Sturmgewehr und Plasmawaffe niedermäht, oder seine Gegner aus der Distanz mit dem Betäubungsgewehr oder der Sniperrifle niederstreckt.
Wer auf Distanz setzt und sich für alle Fälle ausrüsten möchte, nimmt das Standardgewehr oder eine Maschinenpistole, weil sie weniger Platz wegnehmen. Die Pistole oder der Revolver sind in erster Linie nützlich um auf Minen zu schießen, und sie damit auszulösen.
Für den lautlosen Nahkampf gibt es eine Schockpistole und außerdem, wenn auch vergleichsweise selten, die Möglichkeit, eine Armbrust und dazugehörige Pfeile zu finden. Ich bin nicht dazu gekommen, sie auszuprobieren, weil ich dafür etwas anderes hätte wegwerfen müssen. Besonders die Pfeile beanspruchen viel Platz.

Überhaupt hätten die Spielentwickler in puncto Inventar von mir aus gerne auf eine Rückbesinnung auf die Anfänge verzichten können. Es ist in Felder aufgeteilt, und jedes Objekt benötigt eines oder mehrere Felder. Das an sich ist Standard. Aber dass jede einzelne der vier verschiedenen Granaten, jede Minenmatrix und jeder Sprengsatz ein eigenes Feld beanspruchen, ist es heutzutage nicht mehr. Genausowenig wie die unbeeinflussbare Random-Sortierung, die es schwierig macht, den Überblick zu behalten.
Neben den Waffen und der jeweils dazugehörigen Munition gibt es noch jede Menge anderen Kram, den man gerne dabei hätte, aus Platzgründen aber leider liegenlassen muss. Sogar elektronische Komponenten, die einem das Hacken von Computern und Sicherheitssystemen erleichtern, sind im Inventar aufgeführt, und nehmen da Platz weg.
Alle Stapel – egal ob Munition, Medizin oder Hackingequipment – sind begrenzt auf kleine Einheiten von 3-50 Stück, und vermehren sich daher ziemlich schnell, bis man irgendwann an dem Punkt ankommt, sich über Gebühr mit der Frage befassen zu müssen, ob man lieber die EMP-Granaten behalten sollte oder die Hälfte des Inventars auf die Straße wirft, um Platz für die soeben gefundene Waffe zu schaffen.
InventarHinzu kommt, dass man für eine Erweiterung des Inventars jeweils Skillpunkte investieren muss, was bedeutet: Am Anfang, wenn man sich der eigenen Taktik noch nicht sicher ist, muss man ständig Entscheidungen treffen, für deren Beurteilung einem zu diesem Zeitpunkt die Grundlagen fehlen.
Spätestens dann, wenn man sich fragt, ob es einem hinter der nächsten Ecke leidtun wird, das vier Felder beanspruchende Schmerzmittel entsorgt zu haben, empfinde ich es als wirklich nervig. Es unterbricht den Spielfluss, wenn man nach Plätzen zur Aufbewahrung von Equipment sucht und dabei sinnlose Wege zurücklegt, oder einen Spielabschnitt erst mal nur »auf Probe« startet, um bei Bedarf auf einen früheren Save zurückzugreifen, wenn man leider das falsche Equipment mitgenommen hat.

Allerdings – und das macht für mich den Reiz des Spiels aus – ist Deus Ex tatsächlich so flexibel, dass sich im Inventar immer etwas findet, mit dessen Hilfe sich eine Situation bewältigen lässt. So gesehen ist es mein eigenes Problem, wenn ich mich bei der Wahl der Mittel nicht entscheiden kann, und zumindest beim ersten Bosskampf müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn man nicht zufälligerweise ein paar Granaten und eine Fernkampfwaffe im Gepäck hat.
Überhaupt.
Die Bosskämpfe.
CutszeneAuch wenn Human Revolution komplett aus dem Hinterhalt und mit Schleicherei und Hacken gespielt werden kann: Wenn man dem jeweiligen Hauptgegner eines Abschnitts gegenübersteht, kommt man ums hektische Rennen nicht herum. Zumindest bis man das Schlupfloch gefunden hat, das einen zu einem hilfreichen Computerterminal oder einfach nur außer Reichweite des Gegners bringt. Ich persönlich mag das überhaupt nicht, aber letztlich gibt es auch in dieser Situation immer irgendwo eine Gelegenheit, den Gegner aus sicherer Deckung oder mithilfe von Geschütztürmen und Robotern zu erledigen.
Man muss sie nur finden.

Wie man überhaupt ständig etwas »findet«, was das Spiel wunderbar kurzweilig macht.
Überall gibt es Computerterminals, die man hacken kann, um dann z.B. Kameras abschalten zu können, oder einfach nur um der XP, des Geldes und einer ev. Belohnung wegen. Lasersysteme müssen umgangen werden. Geheime Räume tun sich auf, die man allerdings erst dann entdeckt, wenn man einen bestimmten Skill erworben hat.
UpgradeDa, wo man hinwill, stehen garantiert Wachen herum, die man erst einmal ausschalten muss. Und wenn man mal wieder einen bestimmten Ort sucht, wobei die Karte manchmal wirklich nicht hilfreich ist, gestaltet sich die Suche zumindest abwechslungsreich.

Und letztlich überzeugt die Geschichte.

»Deus Ex: Human Revolution spielt im Jahr 2027 und damit 25 Jahre vor den Ereignissen in Deus Ex. Durch große wissenschaftliche Fortschritte wenige Jahre zuvor befinden sich technische Körpermodifikationen, sogenannte Augmentierungen, auf dem Vormarsch. Während die Technologie ursprünglich zahlreichen Menschen dabei half, ihre körperlichen Behinderungen zu überwinden, entwickeln sich Augmentierungen mehr und mehr zu einem Zwang für die körperlich Gesunden. Durch die über das biologische Maß hinaus gesteigerten Fähigkeiten bildet sich zunehmend eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, was zu sozialen Unruhen führt. Nicht zuletzt dadurch kommt die Frage auf, was das Menschsein auszeichnet und wo die Grenzen des Machbaren zu ziehen sind. Erschwert wird die Auseinandersetzung durch den Umstand, dass augmentierte Menschen zeitlebens von der Einnahme teurer Medikamente abhängig sind, die eine Abstoßung ihrer Prothesen verhindern sollen. Das Resultat ist eine stetig größer werdende Unterschicht von verarmten und medikamentenabhängigen Menschen, die in der gesellschaftlichen Entwicklung zunehmend abgehängt werden. Eine Verbesserung dieser Problematik versprechen die neuesten Forschungsergebnisse des in Detroit ansässigen Unternehmens Sarif Industries, einer führenden Firma auf dem Gebiet der Augmentierungtechologie, die einen entscheidenden Durchbruch auf dem Gebiet der von Medikamenten unabhängigen Augmentierung darstellen.
Die Hauptperson Adam Jensen ist Sicherheitschef von Sarif Industries. Zu Beginn der Handlung steht das Unternehmen kurz vor der Präsentation seiner Forschungsergebnisse vor dem National Science Board der US-Regierung, das großen Einfluss auf die zukünftige Bewertung der Augmentierungstechnologie hat. Doch noch bevor es dazu kommen kann, wird die Firma Opfer eines brutalen Überfalls von schwer bewaffneten und mit umfangreichen Augmentierungen versehenen Söldnern. Die Forschungseinrichtungen werden zerstört, führende Wissenschaftler und Sarifs Forschungsleiterin Megan Reed, die zugleich Jensens ehemalige Lebensgefährtin ist, anscheinend getötet. Auch Jensen wird lebensgefährlich verletzt und kann nur mit Hilfe von Sarifs modernster Augmentierungstechnologie am Leben gehalten werden. Erst nach sechsmonatiger Genesungsphase kehrt er in seinen Job zurück. Sein Vorgesetzter David Sarif beauftragt ihn umgehend mit der Suche nach den Verantwortlichen des Anschlags.« (Quelle: Wikipedia)
CutszeneFazit:
Wer düstere Geschichten, gute Dialoge und ein umfangreiches Waffenarsenal mag, ist hier bestens aufgehoben. Ich habe mich jedenfalls 77 Stunden lang keine Minute gelangweilt. Und der Soundtrack von Michael McCann ist eine Wucht.
HelicopterP.S. Irgendwann hat man eine Nebenquest, die darauf hinausläuft, sich in einer Limb-Klinik einen Chip auswechseln zu lassen. Tut das nicht! Es macht einen der letzten Bosskämpfe zwar nicht unmöglich, aber ich war gezwungen, die Schwierigkeit von mittel auf leicht umzustellen, und das hat mich schon geärgert 🙂

P.P.S. Wer das Spiel ausprobieren möchte, bekommt es z.B. für kleines Geld bei Steam.

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