K.E. Wagner: Kane/Der Blutstein

Immerhin: Die Story an sich ist gut, beim finalen Showdown wird es dann auch endlich persönlich, und die Figur des unsterblichen Kane bekommt Konturen.
Bis dahin allerdings läuft ein guter Teil der Erzählung ohne seine Beteiligung ab, und was auch immer über ihn behauptet wird – wie beeindruckt alle von ihm sind, wie stark und gewandt er ist und wie durchdringend sein Blick – es bleibt für mich blass und belanglos. Bis zum Ende weiß ich nicht, welche Kleidung er trägt, und über sein Aussehen nur, dass er rote Haare und blaue Augen hat.

Wenn Kane wenigstens einen Hut tragen würde!

Was den Schreibstil betrifft, wird mir entweder erzählt, was passiert ist, während ich leider nicht dabei war, oder das aktuelle Geschehen wird wenig mitreißend zusammengefasst, und in beiden Fällen ertappe ich mich öfter dabei, dass ich plötzlich unten auf der Seite angekommen bin und keinen Schimmer habe, was im letzten Abschnitt passiert ist.
Bezüglich der Kulissen versorgt Wagner mich nicht mit Bildern, sondern nur mit Erinnerungen an diverse Comics.
Das ist alles so distanziert geschrieben, dass meine Aufmerksamkeit daran abgleitet wie das Spiegelei von der Teflonpfanne.

Von einigen sehr seltenen Momenten abgesehen, sind in dem Buch nur Pappfiguren unterwegs, deren Tod oder Leben, Wünschen und Wollen mir nicht das Geringste bedeutet, und die größtenteils sperrigen Namen, sowohl von Personen wie von allem Übrigen, tragen ihren Teil dazu bei.
Jedes Mal, wenn ich »Alorri-Zrokros« lese, stolpert mein Hirn.

Was – last, not least – die Versuche angeht, Ersatz zu finden für »sagte er/sie«, könnte ich nach der Lektüre glatt zur Puristin werden.

Sollte ich einmal auf die Idee kommen, Pulp zu schreiben, kann ich mir immerhin merken: Jede Dialogzeile sollte unbedingt durch ein gefühlserläuterndes Adjektiv zusätzlich zum aktuellen »Sagen«-Substitut ergänzt werden.
Wahlweise kann man dem Leser auch mitteilen, dass die Figur mit dem Sprechen fertig ist, und es gibt die Möglichkeit, den Sprecher sich nicht nur sich »erkundigen«, sich »ärgern« oder sich »erklären« zu lassen, man kann mithilfe von »als« auch noch eine weitere, gerade verrichtete Tätigkeit anhängen, und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe.

Über Karl Edward Wagner wird im Klappentext behauptet, er gelte bei vielen Fantasyfreunden als legitimer Nachfolger Robert E. Howards. Deswegen habe ich mir »Kane« überhaupt gekauft. Aber bestätigen kann ich das nicht.
Ein mythischer Held, sich bekämpfende Stadtstaaten in einem magischen Zeitalter und eine Heldin, die mit dem Schwert in der Hand eine genauso gute Figur macht wie im Negligé, sind nicht genug.
Howard schreibt um Längen besser, und Kane ist im Gegensatz zu Conan nur ein aus Behauptungen zusammengesetzter Schatten.

Gewöhnlich lasse ich mich nicht über das physische Buch an sich aus, aber da es in diesem Falle einen positiven Unterschied macht, tue ich es trotzdem.
Wie alle Taschenbücher aus dem Golkonda-Verlag ist es von hervorragender Qualität und liegt außerordentlich gut in der Hand.
Die Schrift ist ein bisschen klein, was (schätze ich mal) mit der Preiskalkulation bezüglich des Umfanges zusammenhängt, aber sie hat interessante Ligaturen, die dem Text eine altertümliche Prägung geben, die gut zu der Geschichte passt.
Was die Herausgeber allerdings bei der Gestaltung des Covers geritten hat, kann ich nicht nachvollziehen. Es scheint, als wolle man auch da die Figur des Kane und die Geschichte so unsichtbar wie möglich gestalten.

Fazit: Das taugt als Lektüre zu Studienzwecken, aber wenn ich das Bedürfnis nach schwertschwingenden Überhelden habe, bleibe ich doch lieber bei Conan.


Link zum Buch beim Golkonda Verlag
Link zum Buch bei Amazon (4 Sterne bei 10 Rezensionen)

6 Gedanken zu „K.E. Wagner: Kane/Der Blutstein

  1. Ja, müsste ich m,al wieder lesen, um zu sehen, ob es der Erinnerung standgehalten hat. Ich bitte zu bedenken, dass das, was auf Kane folgte, mich dazu brachte, für Jahrzehnte der Fantasy abzuschwören. Kane war damals ein frischer Wind gemessen an den anderen Zeug was erschien. Wir hatten damals ja nichts anderes. „wink“-Emoticon

  2. Das war herbe Kritik. Ich kenne das Buch nicht, aber habe den Eindruck, das es mir nicht gefallen wird. Viele der angesprochenen Punkte sind absolute No-Gos.

    • Es ist eben wirklich schon älter (aus den 70ern, glaube ich), und der literarische Anspruch an Fantasy dürfte damals so ziemlich gegen Null gegangen sein. Außerdem gibt es sie ja wirklich, die Leser, die Sätze wie „Ich weiß nicht, lachte er nervös“ ohne mit der Wimper zu zucken akzeptieren (der Satz stammt jetzt nicht aus dem Buch, aber es sind ähnliche drin).
      Manchmal platzt mir einfach der Kragen, und ich habe schlicht keine Lust, nachsichtig zu sein, weder mit den Lesern noch mit den Autoren 🙂 Das liegt aber hauptsächlich daran, dass Fantasy ein Genre ist, das ich mag, und es ärgert mich, wenn die an sich gute Story durch den Schreibstil auf Pulp von der schlechten Sorte reduziert wird.

      • Das glaub ich dir aufs Wort. Ich habe selbst zu diesen Lesern gehört, von daher bin ich mal ganz still. Ich fand sehr lange Zeit, dass sei notwendig, um die Stimmung richtig rüber zu bringen. Weit gefehlt …

        • Ich bin mit dem Wissen auch nicht auf die Welt gekommen 🙂 Aber wenn man zum ersten Mal einen kritischen Blick auf die eigene Verwendung von Adjektiven wirft, die meisten davon streicht und den Text dann nach einer Weile noch mal liest, ist das so etwas ähnliches, wie eine Offenbarung.

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s