„Unsterblicher gerät in längerfristig tödlichen Schlamassel“

… das wäre meine derzeitige Story in einem Satz.
Aus „Kryo“ wurde „Der Abgesandte“ und ein Haufen Recherche.

Es war schön, einfach draufloszuschreiben, um überhaupt ein Gefühl für die Geschichte zu bekommen – bis sich hinter jeder Idee auf einmal explosionsartig sich vermehrende Fragengebirge auftürmten, angefangen bei simplen Jahreszahlen bis hin zur inneren Logik.

Die Welt meines Protagonisten war wie eine unfertige Opernkulisse, wo die gespannten Leinwände nur ein paar ungefähre Raumabmessungen markieren, fast vollkommen menschenleer und weiß. Eine Art „Science-Fiction-Don-Giovanni“ (das ist die Oper von Mozart, wo sich ein äußerst spärliches Personal in endlosen Rezitationen übers Cembalo hinweg ansingt).

Wie genau kam mein Protagonist an seinen Auftrag? Wer erteilte ihm den, und – vor allem – wieso ausgerechnet ihm? Was passiert überhaupt in der Story, außer dass jemand von A nach B fliegt …?

Mein erster spontaner Entwurf war eine Art halbesoterisches Geschwurbel a la „Shyamalan“ in der C-Movie-Variante, ohne jegliche Handlung. Stattdessen hatte ich einen monströsen, menschheitsgeschichtlichen Überbau und in dessen Zentrum sieben seit Jahrhunderten kältekonservierte Leichen. Ich kannte im Grunde nur den Anfang und das Ende und hatte keinen Schimmer, wie ich meinen Protagonisten dort logisch hinbugsieren sollte, ohne dass der Leser nach der Hälfte an akuter Langeweile gestorben wäre.

Das war der Moment, in dem ich die größte Lust hatte, die Geschichte auf Nimmerwiedersehen in die Ecke zu werfen.
Warum kann mir nicht einfach mal was Einfaches einfallen, wie fiese Aliens bedrohen die Erde, guter Held rettet die Welt und seine Ehe und feddich … verd…t!
Aber die Geschichte tat mir nicht den Gefallen, mich loszulassen.

Egal, was mir im Netzwerk über den Weg lief – bärtige Hipster, Wunderkuren, Optimierungs-Apps, Piercing, Tattoos, Schönheits-OPs, die ständige Angst, zu versagen, zu riechen, sich bloßzustellen, zu verlieren … alles verknüpfte sich mit dem Traum von der irdischen Unsterblichkeit, der meiner Story zugrunde lag.
Wie werden wir unsterblich?
Wer darf unsterblich sein?
Werden wir finden, was wir suchen?
Was ist der Preis …
Inzwischen nähere ich mich dem Ende meiner Vorüberlegungen.
Eine wirkliche Story ist entstanden.
Ob ich in der Lage bin, sie so zu schreiben, dass man ihr auch folgen möchte, das wird sich zeigen, wenn ich endlich bei den Szenen angekommen bin.
Jede Menge Notizen warten darauf, verwandelt zu werden.

3 Gedanken zu „„Unsterblicher gerät in längerfristig tödlichen Schlamassel“

  1. Bloß nicht aufgeben! Es klingt doch jetzt schon interessant. Und ich erinnere mich an einen Motivationstext von Andreas Eschbach anlässlich des NaNoWriMo. Auch wenn man anfängt zu zweifeln, sollte man das Werk einfach zu Ende schreiben. Danach kann man immer noch entscheiden, ob das Ganze beigestert beklatscht wird oder besser in der Versenkung vetschwindet.

  2. Danke für den motivierenden Schubser! Inzwischen sind tatsächlich die meisten Vorarbeiten beendet, und ich fühle so etwas wie Vorfreude, mich endlich mit den einzelnen Szenen auseinanderzusetzen.

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s