Sommertour 2015: 1. Morgen in der Wildnis

salzsteinSchafe klötern mit ihren Blechglocken ganz in der Nähe – wir stehen am Rand einer Wiese, wo jemand für Schafe und Kühe Salzsteine ausgelegt hat.
Der für Kühe ist rot und hängt an einer sterbenden Tanne. Rundherum ist die Erde zertrampelt und matschig. Der weiße Salzstein für die Schafe ist in einem kleinen, nach einer Seite hin offenen Pferch.
Wenn wir uns bemerkbar machen, erstarren die Mutterschafe und versuchen zu begreifen, ob wir Freund oder Feind sind. Die Lämmer laufen ein Stück weg und warten in sicherem Abstand die Lage der Dinge ab.

VW T3 JokerDie Sonne geht gerade auf, und die Tautropfen an den Grashalmen im Schatten sind gefroren. Wir sind auf dem Birkebeinervegen. Wie immer versagt die Karte, wenn es um das Finden der Gebirgsstraßen geht (der einzige Moment, wo es sich lohnen würde, GPS zu haben). Aber mit vereinten Kräften haben wir den Weg schließlich doch gefunden.

Sjusjøen ist ein beliebtes Skigebiet, und am Anfang des Birkebeinerwegs liegt ein Hüttenfeld neben dem anderen. Die meisten Hütten sind schön – und nagelneu. Manche sind im derzeit modernen „skandinavischen Stil“. Sie erinnern an eine Neuauflage des Plattenbaus und sehen aus, als würde man darin erfrieren.
birkebeinervegenJe weiter wir uns von Lillehammer entfernen, umso individueller werden die Hütten und manchmal gibt es auch mal keine. Wir haben die Mautabgabe bezahlt – 85 Kronen für 48 Kilometer – und irgendwann einen Seitenweg genommen.

auf dem wegBis Moelv (am „Mjøsa“, dem größten See Norwegens) war die Landschaft lieblich: weite Hänge am anderen Seeufer, von Bäumen umrahmte gelbe Felder, rote und weiße Häuser. Jetzt ist sie hochgebirgig bewaldet. Wir sind noch unterhalb der Baumgrenze. Nicht weit von unserem Standplatz entfernt ist ein riesiges Loch, in das man seinen Aushub kippen darf, wenn man hier eine neue Hütte baut. Natürlich müssen wir uns dort nach interessanten Steinen umsehen. Überall liegen zerbrochene Plastikscheiben in schrillen Farben herum, die man in die Luft wirft, um sie dann mit einem Gewehrschuss zu treffen.

blueteJeder Spaziergang ist voller Wunder.
Sobald wir in höhere Lagen fahren, ist wieder Juli, mit rosigen Weidenröschen, buschigem Mädesüß und Margeriten.
Bei uns sind sie alle schon längst verblüht.
Hier in der Nähe gibt es allerdings hauptsächlich Pflanzen, die das Wasser lieben. Die Umgebung der Wiese ist feucht, hinter den Bäumen rieselt ein Bach.

Der Motor läuft, die Heizung ist voll aufgedreht, das Thermometer sagt: 2,5 Grad. Brrr …

schafEs ist schön, endlich wieder dort zu sein, wo überall Schafe auf den Straßen und Wegen liegen … auch wenn es eigentlich zu viele sind, und es immer mal wieder Diskussionen darüber gibt, inwiefern sie die Umwelt inzwischen eher stören, statt die Landschaft zu pflegen.

Ich muss an unsere erste gemeinsame Fahrt vor über fünfundzwanzig Jahren denken. Damals gab es noch nicht an jeder Ecke eine kleine Stadt aus Freizeithäusern.

stein mit moos

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