Wie man eine tote Katze los wird.

Früher Morgen. Sonnenschein. Vogelzwitschern. Kaffee. Ein Blick aus der Terrassentür in den Garten.
„Ups“, sagt mein Mann. „Was macht die denn hier?“
Er steht zwischen den Blumen und hält etwas Brettsteifes, Plüschiges hoch, das mir vage bekannt vorkommt. Aus unbekannten Gründen ist die alte Katze, die ab und zu unseren Garten kreuzte, zwischen den Beeten tot umgefallen.
Als Erstes kriege ich einen Lachanfall, weil mir Monthy Pythons Geschichte mit dem toten Papagei einfällt. Als Zweites taucht die Frage auf: wohin damit?
Tote Tiere entwickeln bekanntermaßen nach einer Weile einen gewissen Geruch, den wir ungern direkt neben dem Haus hätten. Schließlich entscheiden wir, sie über den Berg rüber unter dem groben Gartenabfall zu verstauen.
Ich poste noch ein Foto auf einer Seite für verschwundene Tiere und fahre zur Arbeit.
Als ich wieder nach Hause komme, wurde der Post inzwischen lebhaft kommentiert und mindestens zwanzig mal geteilt. Jemand bittet mich, ein Foto vom Gesicht des Tiers zu machen, um sie besser identifizieren zu können. Also klettere ich auf den Berg und auf der anderen Seite wieder runter, krame die tote Katze wieder aus dem Gebüsch, und mache ein Porträtfoto. Die Augen sind milchig, das Maul steht offen, sie hat ordentliche Reißzähne. Vielleicht ist sie keine Katze, sondern ein Kater … Steif ist sie inzwischen auch nicht mehr, und die Ameisen krabbeln auf ihr herum.
Ich stopfe sie wieder unter die Zweige, poste das Foto, und bekomme den Bescheid: Sie ist es nicht.
Auch gut.
Eine halbe Stunde später klingelt das Telefon. Jemand hütet die Katze des Nachbarn, und sie ist heute morgen nicht nach Hause gekommen. Ob sie ihren Mann vorbeischicken könnte.
Klar, warum nicht.
Fünf Minuten später ruft sie wieder an. Sie kämen beide um neun Uhr abends.
Ist weniger ok, aber auch in Ordnung.
Zwanzig Minuten später bimmelt es wieder. Der Schwager der Nachbarin mit der Katze ist am Telefon. Er wäre gerade in der Nähe, ob er mal eben …
Ok. Wieder rauf auf den Berg, Katze wieder raus aus dem Gebüsch, einmal ums Haus herumtragen: Nein. Sie ist es nicht.
Katze wieder zurück ins Gebüsch.
Inzwischen werde ich unter meinem Post dringlichst aufgefordert, einen Tierarzt oder die Polizei aufzusuchen, um den Kadaver auf einen Chip untersuchen zu lassen.
Habe ich keine Zeit und keine Lust zu. Ich finde, ich habe genug getan. Der Post wurde üppig geteilt. Außerdem ist die Katze tot. Und es ist eine Katze und kein Hund. Das sage ich auch, woraufhin mir mehr oder weniger befohlen wird, zum Tierarzt zu gehen, und ich kurz davor bin, etwas Ungehaltenes in die Tasten zu hauen. Da aber fanatische Katzenschützer nicht unbedingt zu den Leuten gehören, mit denen ich mich anlegen will, lösche ich den Satz, den ich geschrieben habe, und stelle mich taub.
Ich setze mir Kopfhörer auf und spiele Witcher 3.
Eine halbe Stunde später tippt mir mein Mann auf die Schulter.
„Auf der Terrasse steht schon wieder jemand.“
Ich trabe hin und frage: „Und ihr seid?“
„Wie, wer wir sind?“
Es stellt sich heraus, dass es sich um unsere Nachbarn handelt. Sie bewohnen ein gelbes Haus der Marke „Familienheim an von Zierbüschen umgebenem, makellosem Rasen“, und ich hab die Frau mal beim Laubharken gesehen. Mit geblümten Gummistiefeln.
Wieder auf den Berg, Katze wieder hervorkramen, Berg wieder runter.
Nicken. Das ist sie. Sechzehn Jahre alt. Sie haben sich schon gedacht, dass sie nicht mehr lange lebt.
Schön.
Ich lasse die Katze in den Karton fallen, den sie mitgebracht haben, und sie verabschieden sich.
Das Viech sind wir los.
Als Letztes noch einmal auf Facebook. Eine besonders eifrige Dame bietet sich an, bei mir vorbeizukommen, um die tote Katze eigenhändig zum Tierarzt zu bringen. DAS hätte mir gerade noch gefehlt. Eine Delegation Tierschützer im Garten, die angesichts der pietätlosen Bestattung zwischen Gartenabfällen in hysterisches Weinen ausbrechen …
Ich berichte erleichtert vom glücklichen Ausgang des Dramas und male ein Smiley – obwohl ich lieber die Zunge rausgestreckt hätte.

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