Wie könnte ich je ohne dich?

Eigentlich hatte ich heute überhaupt nicht vor, die acht Kilometer nach Stokke zu fahren, um einen weiteren Blick auf den „Murmeltiertag“ zu werfen.
Aber …
Die Bibliothek – in diesem Jahr feiert sie ihr Hundertjähriges – hat anlässlich des Stadtfestes einen „Boksalg“! Sie stellen alles auf die Straße, was sie loswerden wollen, und verscherbeln es für richtig wenig Geld!
Also … nicht, dass ich noch mehr Bücher bräuchte. Sie liegen schon wieder quer in den Regalen, sie stapeln sich neben meinem Bett, siedeln in der Küche, thronen in Höhen, zu denen ich kaum hinaufreiche, belagern die Ecken sämtlicher Tische und mindestens hundert davon sind noch ungelesen.
Aber in Bezug auf Bücher bin ich wie jemand, der entlaufene Katzen sammelt.
Jedes ist ein Versprechen auf bisher unentdeckte Welten, in die man sich kuscheln kann wie in eine flauschige Decke.

Als Erstes lande ich bei den Krimis.

„Hier spricht“ Edgar Wallace, Ausgabe von 1995. Die blutrünstigen Cover sind unwiderstehlich, und ich nehme sie beide.
Dashiell Hammet. Was für ein Name! Das Buch heißt „Glassnøkkelen“ – „The Glass Key“ – wie der gleichnamige Preis, den man in Norwegen entsprechend guten Krimis verleiht. Ab in die Tüte.
Perry Mason. Mason? Hab ich doch schon mal gehört? Außerdem ist die Tüte praktisch noch völlig leer.
Ray Bradbury: „Death is a lonely business“. Noch so einer, den man gelesen haben sollte.
Maigret. Simenons Krimis waren die ersten Bücher, die ich jemals auf Norwegisch gelesen habe. Muss aus nostalgischen Gründen mit. Außerdem ist Simenon gut.
Und dann noch Colin Dexter. Hey! Das sind die Inspektor-Morse-Geschichten, auf denen „Lewis“ beruht. Eine meiner Lieblingsserien. Gekauft.

Nächste Station: Romane.

„Wuthering Heights“ von Emily Brontë. Was mir dazu immer als Erstes einfällt: Kate Bush, die Sängerin mit der hohen Stimme und ihre Wolkenkanone. Für 10 Kronen kann ich es ohne schlechtes Gewissen in die Warteschlange einreihen.
Und B. Traven, „Der Schatz der Sierra Madre“. Natürlich habe ich davon gehört. Ich liebe Abenteuergeschichten, und zu diesem Preis kann es nicht schlecht sein.
Ganz unten im Regal liegen Literaturzeitschriften. In der Einen ist ein Artikel über Moebius, dessen Zeichnungen ich wie etwas Göttliches verehre, in der Anderen etwas über Jo Nesbø, einen der besten Krimischreiber, die ich je gelesen habe.
Passt noch rein.

Weiter geht’s mit der Abteilung Sachbuch.

Eine norwegische Grammatik ist nie verkehrt, und von Simone Weil könnte ich auch endlich mal was lesen. „Die Macht der Worte“ hört sich auf jeden Fall vielversprechend an.

Die Tüte wird langsam schwer.

Ich komme zu einer Kiste mit Comics.

Tintin! Ich werd verrückt! Die habe ich das letzte Mal vor zwanzig Jahren gelesen! Ich komme mir vor wie ein Räuber, aber ich nehme sie alle fünf.
Und da ist Viggo, der durchgeknallte Verlagsangestellte! Ich kenne das Heft. Meine Schwester hat es. Egal. Ich hab mich selten so gut amüsiert, und werde es strategisch günstig für die kurze Lektüre zwischendurch im Haus platzieren.
Beim Durchgehen der verbliebenen Comics taucht dann unvermittelt der Knüller auf: Will Eisners „A Contract with God“. Kenne ich auch. Abgesehen von der handwerklichen Brillanz mag ich Eisners Zeichnungen nicht besonders, und die Geschichten sind auch nicht so meins – aber wenn man behauptet, Comics zu lieben, muss man Eisner im Haus haben. Es gibt schließlich nicht umsonst einen Preis in seinem Namen.

Die Tüte wird langsam unhandlich.

Um die Ecke ist ein ganzes Regal mit Bilderbüchern.

Es gibt wundervolle Bilderbücher …

Die Geschichte über den kleinen Eisbären ist traumhaft gezeichnet und muss mit. Außerdem ein Bilderbuch nach einer Geschichte von Astrid Lindgren, mit Zeichnungen, die mich an Carl Larsson erinnern (irgendwie bin ich in Bezug auf Zeichnungen hoffnungslos romantisch und perspektivenverliebt. Nichts zu machen).

Zuletzt entdecke ich noch Janoschs „Oh wie schön ist Panama“. Die Geschichte begleitet mich seit Jahrzehnten. Als mein Mann letztes Jahr in Panama war, habe ich ihm eine Tigerente gehäkelt, damit er wohlbehalten wieder zurückkommt. Ich hatte das Buch noch nie. Wird Zeit.

Ich hebe die Tüte an und stelle fest, dass sie voll genug ist. Schließlich muss ich sie auch noch zum Auto tragen können.
Für alles zusammen bezahle ich 200 Kronen, umgerechnet etwa 25 Euro.
Und jetzt sitze ich neben dem Stapel und weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Am Liebsten würde ich sie alle auf einmal verschlingen 🙂 Meine geliebten Katzenkinder …

pose

P.S.
Weitere hundert ungelesene Geschichten warten auf meinem Reader auf meine Aufmerksamkeit. In Bezug auf Bücher habe ich echt einen an der Waffel.

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