Manchmal tut’s trotzdem weh

Wir kommen beim Lustgarten neben dem Stadtmuseum in Drammen an. Es gießt wie aus Eimern. Nicht gerade das Wetter, bei dem man Lust auf einen Spaziergang hat. Als Erstes steuern wir auf eine im Rund angelegte Wiese zu, daneben verläuft der Weg, der in den Garten hineinführt.
„Was ist das denn?“, fragen wir fast gleichzeitig.
Mitten auf der Wiese ragt ein gräulich-brauner Pin auf. Sieht aus wie … wir gehen näher, und es ist tatsächlich eine junge Drossel. Sie hockt da, aufgeplustert, mit halb geschlossenen Augen, und rührt sich nicht. Sie ist klatschnass.
Als sie bemerkt, dass sie nicht mehr alleine ist, werden ihre Augen rund. Sie öffnet den Schnabel und piept zwei Mal, dann sinkt sie wieder in sich zusammen.
Hm. Ich bin nicht gerade der Vogelexperte, aber so mitten im Regen zu sitzen – kühl ist es auch – würde ich als ungewöhnlich bezeichnen.
Wir gehen durch den Garten, lassen uns dabei Zeit, und als wir zurückkommen, sitzt die Drossel immer noch da. Ich gehe zum Auto und hole mein Handy, um ein Foto zu machen.
Sie rührt sich nicht; macht nur ab und an die Augen weit auf und piept.
Ob ihre Mutter vielleicht tot ist? Hat sie sich verlaufen? Ist vom Ast gefallen?
Wir klettern wieder ins Auto und kehren Drossel und Garten den Rücken.
Heute war mein Mann wieder dort. Die Drossel lag tot im Gebüsch und er hat sie im Kompostkasten beerdigt.
Es macht mich traurig. Auch wenn mein Mann sagt, dass so nun mal der Lauf der Dinge ist, und wir das ganze Haus voller Viecher hätten, wenn wir alle mitnehmen würden, die unsere Hilfe brauchen könnten. Er hat recht. Keine Frage. Außerdem haben wir einen Kater und überhaupt keine Zeit, einen jungen Vogel mit der Frequenz zu füttern, in der er Nahrung braucht.
Ich weiß. Aber manchmal tut’s trotzdem weh.

4 Gedanken zu „Manchmal tut’s trotzdem weh

  1. Ich nehm sie immer alle mit, aber bis jetzt sind diese Jungvögel jedes Mal gestorben. Meine Nichte hat jetzt einen seit zwei Wochen nach einer tierärztlichen Beratung durchgefüttert. Am Anfang hatte fast keinen Federflaum. Ich denke fast, er kommt durch. Das wichtigste ist, dass man sie sofort warm hält, ein Nest aus Wollsocken bauen und Wärmeflasche drunter. Und zu Essen gibts Ei mit irgendwelchen Flocken, muss noch mal nachfragen fürs nächste Mal. Man spießt ganz kleine Stückchen auf einen Zahnstocher. Und Wasser aus einer Pipette.

    • Tja … der Piepmatz hätte erst mal eine Autoreise von über einer Stunde mit uns machen müssen. Und dass wir keine Zeit haben, uns so intensiv mit einem kleinen Vogel zu befassen, wie er es braucht, ist leider eine Tatsache.
      Immerhin überleben etwas 50% der Mäuse und Vögel, die der Kater anschleppt, und der eine oder andere Vogel berappelt sich wieder in unserem extra dafür bereitgehaltenen Körbchen, nachdem er vor das Terassenfenster gedonnert ist.

    • Das ist ein Link, der nicht funktioniert. Er geht zu einem noch nicht publizierten Artikel, nehme ich mal an, und ich darf darauf nicht zugreifen 🙂

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